Presse

Kunstradfahrer Georg Bläsing ist heute Jugendtrainer, Mechaniker und Ehrenmitglied der GSV-Abteilung

16. Oktober 2008

Von Peter Dilling baunatal.

Hohe Bordsteine sind des Radfahrers Feinde. Wie leicht verbiegt sich da beim Aufprall die Felge und gerät der Drahteselfahrer aus dem Gleichgewicht. Für Georg Bläsing sind solche Hürden auch heute noch, mit 73 Jahren, eher eine willkommene Herausforderung: Lenker hochreißen, Gewicht nach vorn verlagern, Hinterrad des Tourenrades nachziehen. Bläsing muss es wissen: Seit über sechs Jahrzehnten ist er ein Motor des Radsports im GSV Eintracht Baunatal. Er blickt auf eine lange Karriere als Kunstradfahrer und Radballer zurück. Und ist auch jetzt noch für den Verein unverzichtbar. Zunächst als Trainer seines Enkels Timo Bartelmei und dessen Freundes Torben Christmann, der 17-jährigen GSV-Nachwuchstalente im Radball. Beide besuchen die Sportschule des Deutschen Sportbundes in Frankfurt. Blessuren beheben Doch auch hinter den Kulissen hält der gelernte Kraftfahrzeug-Mechanikermeister die Dinge in der Radsportabteilung am Laufen.

Fahrradballett: Auf diesem Foto aus den 1970er-Jahren präsentierte Georg Bläsing (rechts vorn) mit Manfred Köhler (Mitte) und den übrigen Teamkollegen beim Bundespokalwettkampf in der Baunataler Max-Riegel-Halle diese Formation. Repro: Dilling

Gebrochene Speichen, verbogene Felgen, gestauchter Rahmen: Im Radball, so weiß Bläsing aus eigener Anschauung, geht es hart zur Sache. Der Radsportveteran flickt die Räder, die neu an die 2400 Euro kosten, nach dem Wettkampf wieder zusammen. Bläsing hat die Liebe zum Kunstradfahren und zum Radball von seinem Vater geerbt. Der sei schon vor dem Zweiten Weltkrieg für Großenritte gefahren, erzählt der umtriebige Rentner, der für seine vier Jahrzehnte währende ehrenamtliche Arbeit im GSV dieses Jahr zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Steuerrohrfahren Sein sportliches Talent lebte Bläsing zunächst beim Kunstradfahren aus. Kurz nach Kriegsende rückte er schon als 13-jähriger Benjamin in das Sechser-Steuerrohr-Team des GSV auf. Steuerrohrfahren, das ist Fahrradballett auf der Lenkerstange. Viel Gefühl, viel Training, Gleichgewichtssinn und Koordinationsvermögen gehört dazu, um dabei eine gute Figur zu machen. Bläsing gelang das immer: Elf Mal holte er in dieser Disziplin deutsche Meistertitel und etliche Vizemeisterschaften. Und das, obwohl die Großenritter Kunstradfahrer anfangs schlechtere Trainingsbedingungen hatten als die Konkurrenz. Geübt wurde auf den holprigen Dielen von Gastwirtschaften, später auf dem allzu glatten, gewachsten Boden der Kulturhalle. Ab den 1960er-Jahren lehrte Bläsing mit seinem Partner August Landau die Konkurrenz im Radball das Fürchten. Ein Jahr spielte das Duo sogar Bundesliga. An die 10000 Kilometer So etwas ist nur möglich, wenn die Familie mitzieht. An die 10 000 Kilometer pro Jahr sei er gefahren, um zu Wettkämpfen zu gelangen. Ehefrau Helga und die Töchter Sigrid und Claudia, auch talentierte Radsportlerinnen, waren fast immer dabei. Heute hat Bläsing mehr Zeit für Radwandertouren mit seiner Frau. Auf ganz normalen Rädern.

Die Hand fest am Steuerrohr: Georg Bläsing aus Großenritte macht auch auf einem normalen Tourenrad eine gute Figur. Mit seiner Frau Helga unternimmt er gern Radtouren. Foto:Dilling