Regeln
Die Fahrfläche ist in der Regel ein Hallenboden aus Holz oder Gummi und muss bei internationalen Wettkämpfen 11 m × 14 m groß sein. Sie wird durch Seitenlinien begrenzt, diese dürfen nicht überfahren werden. Um den Mittelpunkt (Kreis mit 0,5 m Durchmesser) sind zwei Kreise mit einem Durchmesser von 4 m und 8 m aufgezeichnet. Eine Übung muss normalerweise eine Halbe Runde, eine Runde, ein S oder eine 8 (= Wechselrunde) lang gezeigt werden. Bei der halben Runde bzw. normalen Runde muss man außerhalb des Vier-Meter-Kreises fahren. Bei einer Wechselrunde muss zweimal über den Mittelpunkt gefahren werden, und die beiden Schleifen müssen über den Acht-Meter-Kreis führen. Das S ist eine halbe 8, folglich muss der Mittelpunkt nur einmal getroffen werden. Bei Sprüngen, Übergängen und Hocken ist nicht vorgeschrieben, wo man sie ausführt.
Alle Übungen im Kunstradfahren müssen aus einem international geltenden Reglement ausgewählt werden. Sie müssen für die Kür vorausgewählt und beim Kampfgericht mithilfe standardisierter Formulare, den Wertungsbögen, eingereicht werden. Jede Übung hat einen Punktwert, welcher die Komplexität und die Zeit, die die Übung beansprucht, berücksichtigt. Diesen Punktwert nennt man Schwierigkeit. Die Summe aller Schwierigkeiten bezeichnet die aufgestellte Schwierigkeitspunktzahl im Wertungsbogen.
Dies ist der Ausgangswert für einen Wettkampf. Die Kür erhält so einen vorgegebenen Ablauf, dieser ist verbindlich und muss eingehalten werden, ansonsten gibt es Abzüge. Für die Abzüge ist das Kampfgericht verantwortlich. Ein Kampfgericht besteht aus 2–3 Kampfrichtern als Ansager (Wertung) und entsprechend 2–3 Kampfrichtern als Schreiber. Diese bewerten fortlaufend die Kür.
Die Kür selbst läuft nach strengen Vorgaben ab. Betreten der Fahrfläche, Begrüßung des Kampfgerichts durch Knicks oder Verbeugung, Einfahren, Einnahme der Startposition. Dann signalisiert der Sportler oder der Kommandogeber der Mannschaft durch das Stichwort „Start“ an den Zeitnehmer (ein Mitglied des Kampfgerichts) den Beginn der Kür. Hierbei setzt auch die Musik ein. Ab jetzt muss binnen fünf Minuten das Programm absolviert werden. Unterbrechungen der Zeitnahme gibt es nur in absoluten Ausnahmefällen, z. B. bei technischen Problemen mit dem Rad oder starken Verletzungen.
Es gibt Abzüge bei der Schwierigkeit:
- wenn die Übung keine komplette Wegstrecke gezeigt wird
- bei Nichteinhalten der Reihenfolge
- wenn die Übung nicht korrekt ausgeführt wird (nicht nach Reglement)
- wenn bei Drehungen nicht ausreichen viele gefahren werden
- bei Zeitüberschreitung
Ein akustisches Signal ruft die Minuten aus (entweder verbal vom Zeitnehmer oder elektronisch). Danach kann sich die Sportler orientieren und falls nötig, das Tempo anpassen.
Weiterhin gibt es Abzüge für die Ausführung:
- bei sichtbaren Unsicherheiten (Haltung, Fahrstil, unregelmäßiger Tritt, Streckfehler, …)
- bei unsauberer Ausführung
- bei Überfahren der Flächenbegrenzung
- bei unkorrektem Abgang vom Rad (Fallenlassen des Rades am Ende der Kür)
- bei Stürzen und kurzen Bodenberührungen (Tipper)
Der Trainer darf während der ganzen Kür die sogenannte Coaching-Zone nicht verlassen. Dies spielt besonders beim Radwechsel im Zweier (von zwei Rädern auf einem) eine Rolle, da die Sportler das überflüssige Rad zum Trainer transportieren müssen.

Kunstradfahren ist eine Radsport- und Ästhetiksportart, die zumeist in Sporthallen auf einem speziell dafür vorgesehenen Hallenrad (auch „Saalmaschine“ genannt) ausgeübt wird. Man unterscheidet dabei folgende Disziplinen in den Altersklassen Schüler (bis 14), Junioren (bis 18), Elite (= Männer und Frauen):
- Einer-Kunstradfahren
- Zweier-Kunstradfahren
- Vierer-Kunstradfahren
- Sechser-Kunstradfahren
- Vierer-Einradfahren
- Sechser-Einradfahren
Beim Einer-Kunstradfahren werden Übungen auf einem Spezialrad gezeigt. Diese Übungen können einfache Grundelemente (z. B. rückwärts fahren, Stillstand, …), statische Stände (z. B. auf Sattel und Lenker), statische turnerische Elemente (z. B. Handstände, Stützwaagen, Vorhebehalten oder Stützgrätschen), Steiger (Übungen, bei denen nur auf dem Hinterrad gefahren wird), Drehungen (= Pirouetten) (z. B. in einer Steigerposition auf dem Hinterrad), Übergänge (= translatorische Elemente) (von einer Steigerposition zur anderen), translatorische Rotationen (z. B. Lenkerstanddrehung (über der Achse des Vorderrades), Drehsprung (um das Vorderrad), Sprünge und Hocken (z. B. Sprung vom Sattelstand zum Lenkerstand) sein. In der Elite und bei den Junioren werden hierbei 30 Übungen in 5 Minuten gezeigt.
Im Zweier-Kunstradfahren besteht die Kür aus zwei Teilen. In einem Teil (meistens der erste) fahren zwei Sportler auf zwei Rädern überwiegend mit Griffverbindung Übungen, die auch aus dem Einer-Kunstradfahren bekannt sind (z. B. Steiger). Einige Übungen werden dabei aber auch einzeln synchron präsentiert. In dem anderen Teil (meistens der zweite) nutzen die Sportler gemeinsam ein Rad; hierbei können ebenfalls gemeinsam Stände (z. B. ein Sportler steht auf dem Sattel, der andere Sportler auf dem Lenker) gezeigt werden, es kommen jedoch dann sogenannte „Trageübungen“ (Ein Sportler fährt bekannte Steigerpositionen, der andere Sportler sitzt oder steht auf den Schultern) hinzu.
Beim Vierer- und Sechser-Kunstradfahren nutzt jeder Sportler sein eigenes Rad. Es werden keine dem Turnen verwandte Übungen gezeigt, sondern verschiedene Figuren möglichst synchron gefahren. Diese können entweder Niederrad (beide Räder haben Kontakt zum Boden) oder im Steiger (Vorderrad hat keinen Kontakt zum Boden) jeweils vorwärts oder rückwärts gefahren werden. In der Elite und bei den Junioren werden hierbei 25 Übungen in fünf Minuten gezei